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Trennung und Scheidung – Was passiert mit unserem Haus?

Tipp März 2017

Scheitert eine Ehe, bildet die gemeinsam genutzte Wohnung oder das gemeinsam bewohnte Haus hohes Streitpotential. Wer darf in der Wohnung oder in dem Haus bleiben? Was geschieht mit dem gemeinsamen Immobilienbesitz? In einem Scheidungsverfahren regelt kein Richter automatisch, was mit dem Hauseigentum geschehen soll – die Auseinandersetzung einer gemeinsamen Immobilie ist keine sog. Scheidungsfolgesache. An der Immobilie gemeinsam festzuhalten, ist bei gescheiterter Ehe in wenigen Fällen sinnvoll. In loser Folge wollen wir Ihnen Tipps und Entscheidungen bei Immobilienfragen bei Trennung und Scheidung geben. 

Die gemeinsame Immobilie bindet Vermögen und nur derjenige, der den Vorteil nutzt, kann diesen auch verwirklichen.  Andererseits ist die Nutzung einer Immobilie von einem Ehegatten ein finanzieller Vorteil, der sich bei Unterhaltsberechnungen auswirkt oder die Zahlung einer Nutzungsentschädigung an den anderen Ehegatten auslöst. Es sollte daher gut überlegt werden, ob der Erhalt der Immobilie tatsächlich eine wirtschaftlich tragfähige Lösung ist. Oftmals bietet der Verkauf klare Verhältnisse – letztendlich das, was sich alle wünschen. 

Damit dies nicht einseitig zu Lasten eines Ehegatten geht, müssen die Ausgangslagen geklärt sein. Oftmals wissen die Ehegatten nicht, ob gemeinsames Eigentum besteht oder nicht. Hier hilft nur die Einsicht in das Grundbuch – nichts anderes. Eine Mithaftung bei den Bankverbindlichkeiten für den Hausbau auf dem Grundstück des Ehegatten ersetzt keine Eigentumsübertragung. Das OLG Hamm hatte kürzlich entschieden, dass bei prozessualen Vergleichsverhandlungen eine Aufklärungspflicht über die der Gegenseite erkennbar nicht bekannten Tatsachen besteht. In dem Fall hatte der Ehemann im laufenden Zugewinnverfahren festgestellt, dass er entgegen der bisherigen Vorstellung beider Ehegatten Alleineigentümer einer Immobilie ist. Zur Vermeidung höherer Ausgleichszahlungen im Zugewinn hatte er dies nicht mitgeteilt – der sicherlich mühsam abgeschlossene Vergleich konnte von der Ehefrau angefochten werden (OLG Hamm, 3 UF 47/15). Damit Ihnen dieses Schicksal erspart bleibt, sollten Sie die tatsächlichen Verhältnisse klären. 

Rechtsanwältin Anja Poetsch (www.rechtsanwalt-poetsch.de)